Social Media

TikTok, Instagram und Co.

Rund 98% der 14- bis 29-Jährigen nutzen Soziale Netzwerke in ihrer Freizeit, was es zu einem zentralen Lebensmittelpunkt der aktuellen Jugendgeneration macht (JIM-Studie 2020). Wenn man mit Kindern und Jugendlichen über Soziale Netzwerke spricht, ist die altbekannte Plattform Facebook nicht die erste Wahl. Die “coolen” Kids sind heute eher auf TikTok und Instagram unterwegs, wobei auch Instagram inzwischen (Anfang 2021) ziemlich altert. Durch die Darstellung der jeweiligen Vorlieben und Abneigungen auf der eigenen Profilseite können sich alle Besucher:innen schnell ein Bild über die jeweiligen Benutzer:innen machen. In der Regel stehen Fotos und Videos von Freund:innen, also der eigenen Peergroup, Influencer:innen und Promis im Fokus von jungen Nutzer:innen. 

Social Media deckt mehrere Bedürfnisse der Nutzenden ab, dient zum einen dem Austausch über gemeinsame Vorlieben und Interessen und bietet zum anderen die Möglichkeit der Selbstdarstellung, indem Content* der eigenen Person geteilt wird.

Andere Nutzer:innen können nicht nur über eine Direktnachricht mit der jeweiligen Person in Kontakt treten, sondern auch das geteilte Bild „liken“ und kommentieren – Funktionen, die Soziale Netzwerke von Messengerdiensten abheben.

* ”Content”, auf Deutsch „Inhalt“, beschreibt in der digitalen Welt alles, was in Social Media verbreitet wird. Dazu zählen beispielsweise Youtube-Videos, Instagram-Fotos und TikToks. 

Die Verteufelung von Sozialen Netzwerken als sinnlose Zeitverschwendung ist einer der nahezu klassischsten Vorwürfe. Dabei ist Social Media auch politisch, aufklärend, ernst und wird so beispielsweise von Fridays For Future aktiv und erfolgreich genutzt. Aber auch als rein hedonistischer Zeitvertreib hat es ebenso seine Berechtigung.Die Altersfreigabe der verschiedenen Social Media Plattformen liegt im Bereich zwischen 12 und 16 Jahren. Jedoch kann es bei vielen Anbietern auch sein, dass die Geschäftsbedingungen, so wie sie angegeben sind, nicht ganz rechtskonform im deutschen Maßstab sind. Zudem ist immer die Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen ein erheblicher Punkt, der durchaus schwerer wiegen kann als eine formelle Altersbeschränkung.
Pauschal über Social Media zu urteilen ist weder sinnvoll noch möglich.

Instagram

Instagram wurde von Facebook gegründet und mit seinem Fokus auf Bildmaterial bekannt. Die Plattform erfreut sich extrem großer Beliebtheit im Mode-, Beauty- und Lifestyle-Sektor, ist aber bei weitem nicht darauf zu reduzieren. Instagram ist berüchtigt den Content über Hashtags* zu organisieren und diese exzessiv zu nutzen.

* “Hashtags” sind Kategorien, mit denen Content markiert wird. Es sind quasi“Verknüpfungen”, die Inhalte untereinander vernetzen und auffindbar machen. Hashtags verwenden das Doppelkreuz # mit anschließendem ununterbrochenen Text. Hashtags in dieser From wurden von Twitter 2009 standardisiert. #hashtagsgehenso

Auf Instagram Freund:innen und Familie, Promis oder Künster:innen folgen, Urlaubsfotos und lustige Kurzvideos posten, ist etwas völlig normales. Dabei sollte jedoch immer auf die eigene Privatsphäre und – noch wichtiger – auf die der anderen geachtet werden. Jugendliche und Erwachsene sollten sich darüber im Klaren sein, wer welchen Content sehen kann. Ob ein Urlaubsfoto in Badebekleidung oder ein lustiges Foto von einer Party-Nacht auf Instagram gehören, wer es sehen kann und die Einschätzung wie das bei Freunden, Familie, Bekannten, Kollegen oder Fremden ankommt – das muss jeder für sich entscheiden. Auchdas Risiko über Konsequenzen bei Fehleinschätzungen liegt bei den Nutzendenselbst. Instagram bietet, wie eigentlich alle Plattformen, durchaus Möglichkeiten zu steuern, wer welche Inhalte wie sehen kann.

Verlinkungen auf fremden Accounts müssen bei Instagram persönlich freigegeben werden, bevor diese aktiviert werden. Ist die Freigabe gestattet, können fremde Personen die persönlichen Profile finden, sehen dann aber im Bestfall nur das Profilbild und den Kurznamen. Profile auf Instagram schützt man am besten, wenn diese auf “Privat” gestellt sind, da in dieser Einstellung die Bilder und Kontakte nicht einsehbar sind und der Zugriff darauf vorher freigegeben werden muss. Die “Abonnierung” (ähnlich einer Freundschaftsanfrage bei z.B. Facebook) ist der Schritt zur Verknüpfung und bestenfalls ist erst dann eine Einsicht in das Profil möglich. Wichtig zu wissen ist, dass auch, wenn ein Konto auf privat eingestellt ist, die Fotos und Videos sich dennoch im Netz befinden.
Es gibt also ein “privates” Instagram, das in der Regel aus untereinander verknüpften Profilen einer Peergroup* besteht und ein öffentliches Instagram, bei dem alle Besucher:innen alles sehen können, was öffentlich freigegeben ist.

* ”Peergoups” sind Gruppen Gleichaltriger, denen sich das Individuum zugehörig fühlt. Der eigene Freundeskreis ist dabei das klassische Beispiel.

Ein relativ neues Feature, also eine neue Funktion der App, ist die Shopping-Möglichkeit, in welcher Firmen und Geschäfte durch Influencer:innen* sich als Marke und ihre Produkte, wie z.B. Kleidung und Spiele vermarkten und direkt verlinken lassen. 

* “Influencer:innen”  (deutsch: Einflussnehmende) sind Personen des öffentlichen Lebens, welche ihre Bekanntheit in der Regel über soziale Netzwerke aufgebaut haben.

Eine der beliebtesten Funktionen sind die sogenannten “Filter” auf Instagram. Diese sind nicht nur farbverändernd, sondern auch mit Gesichtsveränderungen oder jedem denkbaren Special Effect verbunden. Problematisch dabei ist es, wenn Schönheitsbilder und Selbstwahrnehmung durch “Schönheitsfilter” verzehrt werden. Davon sind jedoch alle Apps mit solchen Filterfunktionen betroffen, zum Beispiel Snapchat oder TikTok. Und sogar viele Handykameras bieten heute diverse “Schönheitsfilter” an – manche Smartphones wenden diese sogar standardmäßig auf alle Selfies an.

Weitere Infos zu Privatsphäreeinstellungen bei Instagram hier:

https://www.kompass-social.media/app-detailseite/n/instagram-1/

https://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/soziale-netzwerke/instagram/tipps-fuer-eltern-und-jugendliche/Spannend an Instagram ist die Spark AR Software, mit der Filter selbstgemacht werden können – und das ist nicht mal schwer. Snapchat bietet mit Lens Studio ein sehr ähnliches Produkt, jedoch nur für Snapchat.

Snapchat

Ähnlich wie bei Instagram können auch bei Snapchat Nachrichten, Fotos und Videos verschickt werden, welche nach einmaligem Ansehen innerhalb von 1-10 Sekunden “verschwunden” sind. Man hat also nur kurz Zeit, sich die sogenannten “Snaps” anzusehen. Alternativ zu den Kurznachrichten gibt es auch hier “Storys”, die 24h sichtbar sind. Wenn man Screenshots eines “Snaps” macht, bekommt die versendende Person eine Benachrichtigung darüber. Aber Achtung: es gibt dutzende Methoden wie Bilder und Videos dauerhaft gespeichert werden können. Das ist den meisten jugendlichen Nutzer:innen jedoch völlig bewusst.

“SnapMap’s” ist eine interaktive Karte, in welcher man seine Freund:innen online verfolgen kann, auch ohne dass sie aktiv online sind. Sie läuft im Hintergrund bei falscher Einstellung weiter und übermittelt somit dauerhaft Daten an alle, die es interessiert. 

Ein weniger bekanntes oder genutztes Feature ist “Snapchat Discover”, in welcher Nachrichten und Zeitschriftenunternehmen täglich oder wöchentlich Neuigkeiten und Artikel posten. Die Bandbreite beläuft sich von Body-Positivity und Rezepten bis hin zu politischen Inhalten aus aller Welt. Häufig sind die Inhalte leicht und verständlich aufbereitet, was einen niedrigschwelligen Einstieg in unterschiedliche Themenfelder möglich macht.

Snapchat ist durchaus auch für Online Sex Workers ein häufig genutztes Tool. Es muss jedoch gesagt werden, dass es nahezu keine Überschneidungen zum “regulären” Snapchat gibt.

Mehr Infos zu Snapchat und Einstellungshinweisen hier:

https://www.klicksafe.de/apps/snapchat/risiken-bei-snapchat/

Snapchat-Erklärung als Video:

TikTok

Die neue beliebte Plattform für 15 bis 60 Sekunden lange Videos ist ein Soziales Netzwerk aus China. Die Videos werden Nutzer:innen vorgeschlagen und basieren auf sogenanntem “user generated content” – also speziell für die jeweilige Person generierten Inhalten, die von Algorithmen passend zum angegebenen Alter, Geschlecht, zuletzt gesuchte Profile, #Hashtags, Abonnements, Standort uvm. zusammengestellt werden. Wie bei allen Plattformen ist das genaue System dahinter “Firmengeheimnis”. So entsteht ein ständiger Austausch von user generated content wie auf anderen Plattformen. Was TikTok jedoch momentan von anderen Plattformen unterscheidet ist das Alter der Nutzer:innen – das deutlich jünger als bei der Konkurrenz ist. So kann momentan auf TikTok eine künstlerische Selbstfindung und Freiheit erlebt werden, wie sie zuletzt auf Youtube stattfand, als eine neue Generation das Medium erobert und definiert hat. Ebenso wie etwa im Jahr 2007 bei Youtube werden heute bei TikTok neue Stilelemente und Normen gesetzt.

Die angebotenen Inhalte sind dabei aber nicht immer für ein jüngeres Publikum geeignet. Wie auch viele andere Plattformen löscht TikTok manche Inhalte oder versieht sie mit einer Warnung. Grundsätzlich sind jedoch die Mehrheit der Inhalte für den Konsum harmlos.

Auch bei TikTok ist es wichtig sich darüber Gedanken zu machen, wer welche Inhalte sehen kann oder soll.

TikTok erklärt:

https://www.internet-abc.de/eltern/kinder-und-tiktok/

Klicksafe: 

https://www.klicksafe.de/apps/tiktok/was-ist-tiktok/

Twitter

Twitter ist ein Kurznachrichtendienst bei dem Nachrichten mit bis zu 280 Zeichen geschickt werden können. Der Dienst, der anfangs stark verspottet wurde, hat sich – unabhängig was man davon hält – als eine der wichtigsten internationalen Kommunikationsplattformen etabliert. 

Datenschutz

Die kostenfreien Angebote der diversen Plattformen werden weitestgehend durch Werbung finanziert und/oder dem Sammeln von Nutzer:innen-Daten für andere Zwecke. Nutzer:innen werden über Werbebanner und gezieltes Advertising (personalisierte Werbung) zielgruppengerecht auf Produkte hingewiesen. Dies geschieht, indem die zur Verfügung gestellten privaten Daten (Alter, Geschlecht, Herkunft, politische Überzeugung, Bildungsstand, etc.) – wie auch beim user generated content – genutzt werden, um die Werbung passgenau auf jede:n einzelne:n Nutzer:in zuzuschneiden. Konkret sieht es dann so aus, dass z.B. ein bekennender Fan der „Harry Potter“-Reihe Werbung zu Büchern, DVDs und Merch-Produkten von einem Onlineshop erhalten könnte. Funfact: TikTok GenZ macht sich gerne darüber lustig, dass Millennials denken, dass ihr Hogwarts-House eine Charaktereigenschaft wäre.

Klarnamenpflicht bei Facebook und Allgemein

Facebook verlangt von seinen Nutzer:innen einen Klarnamen, andere Plattformen tun dies nicht. Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass die Verwendung eines Klarnamens etwas Schlechtes wäre. Ob ich nun als “Max Mustermann” gefunden werde, oder ob alle wissen, dass “MaximalM” mein Nutzername ist, und mich so finden, macht in der Realität eigentlich keinen großen Unterschied.
Aber je nach Kontext kann die Verwendung eines Klarnamens sehr risikobehaftet sein, oder – auf der anderen Seite – eher vorteilhaft für die eigene Seriosität. Das gilt für alle Stammdaten.